Charles Hoskinson, Mitgründer von Cardano und CEO von Input Output, hat in seinem Livestream „More comments on Discord“ vom 16. Juni seine Pläne für einen neuen Governance-Prozess der Cardano-Community konkretisiert. Im Zentrum steht ein verifizierter, regelgebundener Diskussionsraum, der zunächst auf Discord entstehen könnte, langfristig aber auch durch ein anderes geeignetes Governance-Forum ersetzt werden kann.
Hoskinson drängt auf Cardano-Governance per Discord
Hoskinson beschreibt den geplanten Discord nicht als weiteren Social-Media-Kanal, sondern als zweckgebundene Infrastruktur für Governance-Arbeit. Kritik, wonach damit Diskussionen zentralisiert oder bestehende Strukturen umgangen würden, wies er zurück. „Es gibt eine Gruppe von Menschen, die so tun will, als sei das, was vorgeschlagen wird, nur ein weiterer Kommunikationskanal, in den man springt, um mit Freunden zu plaudern. Das ist einfach nicht der Fall. Die einzige Existenzberechtigung dieses Kanals ist, dass Menschen dorthin gehen, um eine Aufgabe zu erledigen.“
Als Vergleich zog Hoskinson spezialisierte Arbeitsumgebungen heran. „Niemand, der intellektuell ehrlich ist, kann sagen, dass X für Cardano-Governance-Gespräche gebaut wurde. Und niemand, der intellektuell ehrlich ist, würde sagen, dass man eine Operation auf einer Parkbank durchführen sollte.“ Der Governance-Raum solle daher nicht beliebige Debatten bündeln, sondern Diskussionen auf konkrete Entscheidungen, Vorschläge und ausführbare Schritte ausrichten.
Hoskinson begründete den Vorstoß auch mit strukturellen Schwächen bestehender Cardano-Organisationen. Intersect sei aus seiner Sicht „zu viele Dinge für zu viele verschiedene Menschen“: Governance-Organisation, Marketing- und Branding-Struktur, Aufsichtsgremium, technischer Lenkungsausschuss, Produktgremium und Community-Management zugleich. Auch die sogenannte Pentad-Struktur sei nach seiner Darstellung nicht als offenes Governance-Forum gedacht, sondern als begrenzte Koordinationsgruppe für konkrete Aufgaben wie Integrationen von Circle, LayerZero oder Pyth.
DRep und Partei sollen Struktur vorantreiben
Kern des Vorschlags ist eine neue politische Struktur innerhalb der Cardano-Governance. Hoskinson kündigte an, einen DRep sowie eine politische Partei aufzusetzen, deren erklärtes Ziel es sei, den neuen Prozess durchzusetzen. „Was all dem Nachdruck verleiht, ist die Tatsache, dass ich einen DRep und eine politische Partei einrichten werde, deren einziges Ziel es ist, das umzusetzen. Wenn ihr an mich delegiert, verpflichte ich mich jetzt zu einer Sache: Ich werde bei allen Finanzierungs- und Governance-Aktionen mit Nein stimmen, die von Menschen vorgeschlagen werden, die dem Discord oder der Governance-Struktur für diese Gespräche nicht beitreten.“
Dabei betonte Hoskinson, dass es ihm nicht darum gehe, Inhalte vorzugeben. Der entscheidende Punkt sei die Verpflichtung auf ein Verfahren. „Ich sage ihnen nicht, welche Unterhaltung sie führen sollen. Ich sage ihnen nicht, was sie denken oder wie sie denken sollen. Was ich sage, ist: Sie müssen sich zu einem Prozess verpflichten.“ Sollte sich ein anderer Kanal als besser erweisen, könne die Struktur dorthin migrieren; maßgeblich sei nicht Discord als Marke, sondern ein überprüfbarer, regelgebundener Ort für Governance-Arbeit.
Inhaltlich nannte Hoskinson mehrere Schritte, die über den neuen Prozess geklärt werden sollen: zunächst eine gemeinsame Definition von Wachstum, anschließend eine exekutive Funktion, danach Strategie und Budget. Ohne gemeinsame KPIs sei keine belastbare Roadmap möglich. „Es ist unmöglich, eine Strategie zu entwickeln, eine Governance-Struktur zu bauen oder eine Produkt-Roadmap zu erstellen, wenn es keine grundlegende Definition dessen gibt, was man erreichen will. Stellt euch vor, ihr seid in einem Job und euer Chef sagt: ‚Ich mache jetzt deine Leistungsbewertung.‘ Ihr fragt: ‚Können Sie mir sagen, woran ich gemessen werde?‘ Und die Antwort lautet: ‚Nein, nicht wirklich. Wir haben keine KPIs für dich.‘“
Hoskinson verband diese Kritik mit der aktuellen Treasury- und Budgetdebatte. Nach seiner Darstellung stehen Forderungen von mehr als 600 Millionen ADA einem Net Change Limit von 350 Millionen ADA gegenüber, ohne dass es eine einheitliche Strategie gebe. „Wir werden nicht erfolgreich sein, wenn wir gespalten sind. Wir werden erfolgreich sein, wenn wir in unseren Definitionen, in unserer Strategie und in unserer Ausführung vereint sind.“ Einheit bedeute dabei nicht Zentralisierung, sondern die Unterordnung unter einen gemeinsamen Prozess.
Der geplante Governance-Raum soll nach Hoskinsons Darstellung nur verifizierten ADA-Haltern offenstehen, die sich an einen Code of Conduct halten. Störversuche, persönliche Abrechnungen oder themenfremde Debatten sollen ausgeschlossen werden. „Die einzige Voraussetzung ist, dass ihr nachweislich ADA haltet und bereit seid, euch zu verpflichten. Wenn ihr diesem Verhalten und diesem Prozess folgt, könnt ihr Teil der Unterhaltung sein.“ Als Vorbild nannte er unter anderem den strukturierten Prozess rund um Cardanos Verfassungsarbeit, der aus seiner Sicht gezeigt habe, dass Regeln, Moderation und klare Abläufe produktive Ergebnisse ermöglichen können.
Hoskinsons Vorstoß zielt darauf ab, Cardanos Governance nach der Einführung der Mindest-Governance-Strukturen in eine stärker koordinierte Phase zu überführen. Ob die Community den vorgeschlagenen DRep, eine politische Partei und einen verpflichtenden Governance-Kanal akzeptiert, soll letztlich über Delegation, Referenden und On-Chain-Abstimmungen entschieden werden. Hoskinson formulierte es so: „Jeder Schritt dieses Weges erfordert die Zustimmung der Regierung. Jeder Schritt erfordert ein Referendum, eine Abstimmung. Das ist keine Machtübernahme.“
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