Qubic weitet sein Mining-Modell auf Dogecoin aus und verknüpft den Start mit einem neuen Validierungsmechanismus auf Mainnet-Ebene. Für den Markt ist das relevant, weil das Netzwerk damit nicht nur einen weiteren externen Use Case testet, sondern auch seine Oracle-Infrastruktur erstmals unter realen Mining-Bedingungen einsetzen will.
Qubic bringt Oracle-Prüfung ins Dogecoin-Mining
Qubic beschreibt den Start als bewussten Bruch mit dem klassischen Pool-Modell. „Die meisten Mining-Pools vertrauen einem einzelnen Betreiber, der eure Shares validiert. Qubic nicht“, erklärte das Projekt auf X. Statt eines zentralen Prüfers werde „jeder Dogecoin-Share, der über das Qubic-Netzwerk gemined wird, von Oracle Machines validiert“ – also von unabhängigen Computors, die den Share jeweils separat prüfen.
Technisch verweist Qubic auf ein mehrstufiges Verfahren mit bis zu 13 Oracle-Commits pro Transaktion. „Wenn das Ergebnis die Byzantine-Fault-Tolerance-Schwelle des Quorums überschreitet – Zustimmung von 451 von 676 Computors –, wird es on-chain validiert. Es gibt keinen einzelnen Ausfallpunkt.“ Die Oracle Machines seien am 11. Februar auf dem Mainnet live gegangen; das Dogecoin-Mining sei nun der „erste reale externe Anwendungsfall“, der auf diesem System aufsetze.
Der Schritt ist für Qubic offenkundig mehr als ein Mining-Produkt. Das Unternehmen verknüpft den Launch mit einer breiteren Infrastrukturthese: „Dasselbe Validierungs-Framework kann Preis-Feeds, Cross-Chain-Daten und jede externe Information bedienen, die Smart Contracts zum Handeln benötigen.“ Der 1. April soll diese Architektur laut Qubic „im großen Maßstab einem Stresstest unterziehen“. Damit positioniert das Projekt das Dogecoin-Mining nicht nur als Ertragsmodell, sondern als Demonstration für Oracle-basierte Datenvalidierung im produktiven Einsatz.
Qubic verbindet den Vorstoß zudem mit seiner bestehenden Rechenarchitektur. Bereits Mitte März hatte das Team erklärt: „Qubic-ASICs minen Dogecoin. CPUs und GPUs trainieren KI. Beides läuft. Im selben Netzwerk. Ohne Konflikt.“ Gemeint ist ein Parallelbetrieb, bei dem ASICs den externen Mining-Teil übernehmen, während allgemeine Rechenhardware weiterhin für das Training von Aigarth eingesetzt wird. Nach Darstellung des Projekts entstehen dabei „keine Trade-offs“ und kein Wechselbetrieb, sondern zwei gleichzeitig laufende Arbeitsströme.
Ökonomisch hebt das Qubic-nahe Konto CodedOnQubic einen mehrstufigen Kreislauf hervor. Demnach sollen Dogecoin-ASICs künftig zugleich Qubic minen und höhere Erträge erzielen; die geschürften DOGE würden anschließend verkauft, um QUBIC am Markt zu akkumulieren. Ein Teil der so erworbenen Token solle Mining-Aktivitäten incentivieren, der Rest verbrannt werden. Die Botschaft ist klar: Das externe Mining soll Nachfrage nach QUBIC erzeugen und zugleich das Angebot senken.
Noch ist diese Konstruktion vor allem eine angekündigte Marktmechanik und kein bewiesenes Ergebnis. Relevant ist aber, dass Qubic den Starttermin bereits klar markiert hat: Ab dem 1. April 2026 will das Netzwerk mit dem Dogecoin-Mining beginnen. Für Beobachter wird damit entscheidend sein, ob die Oracle-Prüfung unter Last wie angekündigt funktioniert und ob das Modell tatsächlich skaliert, ohne den Ablauf für Miner unnötig zu verkomplizieren.
Nach Monero rückt Dogecoin in den Fokus
Der Dogecoin-Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Qubic hatte zuvor mit seiner öffentlich begleiteten Kampagne gegen Monero Aufmerksamkeit erzeugt. Die Debatte drehte sich um einen angeblichen „51%-Angriff“, doch die späteren Einordnungen fielen deutlich nüchterner aus. Analysen kamen zu dem Schluss, dass Qubic eher 28 bis 35 Prozent der Hashrate kontrollierte als eine absolute Mehrheit. Selbst Qubic-Gründer Sergey Ivancheglo räumte ein, die Aktion müsse eigentlich „in einen 34%-Angriff umbenannt werden“.
Im Kern ging es demnach nicht um eine klassische 51%-Übernahme, sondern um Selfish Mining. Dabei werden gefundene Blöcke zurückgehalten und gezielt veröffentlicht, um ehrliche Blöcke zu entwerten und so den Eindruck größerer Kontrolle zu erzeugen, als die tatsächliche Hashrate nahelegt. In den begleitenden Beschreibungen war von einer „Illusion der Dominanz“ und von „psychologischer Spieltheorie“ die Rede, um andere Miner unter Druck zu setzen und zum Abwandern zu bewegen.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Schwenk zu Dogecoin strategisch vorbereitet. Qubic hatte bereits am 3. März argumentiert, Dogecoin verfüge über „eine große Mining-Community, breite Akzeptanz und hohe Liquidität“. Das sei die Grundlage für die nächste Phase: „Stellt euch vor, man verbindet das mit einem Netzwerk, das seine Mining-Leistung bereits für KI-Training einsetzt. Genau das baut Qubic.“ Dass die Community Dogecoin schon im vergangenen Jahr als nächstes Ziel „für die folgende Mining-Saison“ ausgewählt hatte, zeigt, dass die aktuelle Offensive länger geplant war.
Im Unterschied zum Monero-Kapitel präsentiert Qubic den Dogecoin-Plan weniger als Konfrontation denn als Integration. Der operative Schwerpunkt liegt diesmal auf zusätzlicher Nutzung bestehender ASIC-Kapazitäten und auf der Verknüpfung mit dem hauseigenen Token-Modell. Gleichwohl bleibt die Vorgeschichte relevant, weil sie zeigt, wie offensiv das Projekt Hashrate, Anreize und Netzwerkeffekte als strategische Hebel interpretiert.
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