Frank Thelen, deutscher Unternehmer und Investor, sieht Bitcoin durch Fortschritte bei Quantencomputern zunehmend unter Druck. In mehreren Beiträgen auf X argumentierte Thelen, dass vor allem „statische“ Krypto-Projekte wie Bitcoin strukturell verwundbar seien, während dynamischere Netzwerke aus seiner Sicht bessere Chancen hätten, sich an technologische Risiken anzupassen.
Thelen warnt vor Quantenrisiko für Bitcoin
Thelen wiederholte seine Einschätzung am 6. Juni auf X deutlich: „Dynamische Crypto-Projekte werden meines Erachtens weiterhin erfolgreich sein können. ‚Tote‘ Projekte wie BTC sind zum Beispiel durch Quantencomputer-Entwicklungen ernsthaft gefährdet. Nur meine zwei Cent – keine Anlageberatung.“ Die Aussage knüpft an eine frühere Einordnung von Mitte Mai an, in der Thelen erklärte, warum er seine Bitcoin-Positionen reduziert beziehungsweise verkauft habe.
Der Investor stellte dabei klar, dass seine Haltung nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung von Bitcoin resultiere. In einem älteren Post schrieb er: „Bitcoin kann in den nächsten Wochen massiv steigen und ich wünsche allen viel Erfolg damit. Ich bleibe Bitcoin-Fan, es ist einfach ein großartiges und spannendes Konzept. Aber ich habe für mich und unsere Fonds entschieden, dass es aktuell attraktivere Chance/Risiko-Investitionen gibt.“ Damit positioniert Thelen seine Entscheidung als Portfolio- und Risikofrage, nicht als kurzfristige Marktprognose.
Ausgangspunkt seiner Argumentation ist die technische Verwundbarkeit kryptografischer Signaturen gegenüber leistungsfähigen Quantencomputern. Thelen verwies auf jüngere Entwicklungen in der Quantenforschung und schrieb: „Mehrere Fortschritte der letzten Monate zeigen die Gefahr für die ‚statische‘ BTC-Blockchain durch Quantencomputer. Das prominenteste: Google Quantum hat im März 2026 ein Paper veröffentlicht, das die Ressourcen zum Brechen der Bitcoin-Kurve ECDSA deutlich nach unten korrigiert – grob um eine Größenordnung, auf wenige Hunderttausend Qubits.“ Eine solche Maschine existiere heute noch nicht, ergänzte Thelen; Märkte würden zukünftige Risiken aber zu Recht einpreisen.
Warum Bitcoin laut Thelen verwundbar bleibt
Im Zentrum von Thelens Kritik steht Bitcoins Selbstverständnis als möglichst unveränderliches Protokoll. Er schrieb: „Bitcoin hat Unveränderlichkeit als ‚Feature‘ – die Community sieht genau das als Wert. Im Quanten-Fall wird es zur Schwäche.“ Gemeint ist: Änderungen an Bitcoin sind technisch und sozial möglich, gelten aber als besonders schwer durchsetzbar, weil das Netzwerk stark auf Stabilität, konservative Entwicklung und breiten Konsens ausgerichtet ist.
Thelen verweist in diesem Zusammenhang auf Post-Quantum-Ansätze innerhalb der Bitcoin-Debatte, hält den Stand aber für unzureichend konkret. „Es gibt PQ-Pläne, BIP-360, aber unkonkret, unvollständig und tiefgreifend – und genau solche Eingriffe sind in einer Community, deren Identität ‚wir ändern nichts‘ ist, am schwersten durchzusetzen. Eine Migration bräuchte einen Fork und Konsens über rund 6,9 Millionen exponierte BTC.“ Diese Zahl ist für seine These zentral, weil exponierte Coins im Kontext von Quantenrisiken als besonders sensibel gelten, sobald öffentliche Schlüssel aus Transaktionshistorien ableitbar sind.
Als Gegenbeispiel nennt Thelen Ethereum, das seiner Darstellung nach eine konkretere Post-Quantum-Roadmap verfolgt. „Ethereum hat im Februar 2026 eine konkrete Post-Quantum-Roadmap vorgelegt. Auch dort braucht es mindestens einen Hard Fork – Account Abstraction, EIP-8141, ist für Hegotá im zweiten Halbjahr 2026 vorgeschlagen, danach läuft die Migration pro Wallet opt-in.“ Zugleich betont er, dass auch Ethereum das Problem nicht vollständig gelöst habe: „‚Gelöst‘ ist es also nicht. Aber es gibt eine glaubwürdige Roadmap und eine Community, die bereit ist, tief am Protokoll zu arbeiten. Ethereum hat diese Fähigkeit beim reibungslosen Wechsel von Proof-of-Work zu Proof-of-Stake unter Beweis gestellt.“
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