US-Präsident Donald Trump erhöht den politischen Druck für ein dauerhaftes Regelwerk für Krypto-Vermögenswerte. In einem Beitrag auf Truth Social verband er die Kryptoagenda seiner Regierung ausdrücklich mit einer gesetzlichen Marktstruktur, die künftige Regulierungswechsel überstehen soll. Im Zentrum steht dabei der CLARITY Act, der nach Fortschritten im Senat zur wichtigsten Vorlage für die künftige Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC geworden ist.
Trump drängt auf dauerhaftes Kryptoregelwerk
Trump stellte seine Kryptoagenda als Gegenentwurf zur früheren Linie unter Gary Gensler, dem ehemaligen Vorsitzenden der US-Börsenaufsicht SEC, dar. Auf Truth Social schrieb er: „Gary Gensler und die ‚Anti-Krypto-Armee‘ haben die amerikanische Kryptoindustrie beinahe zerstört, indem sie Bitcoin, Krypto-Perpetuals und Innovation ins Ausland getrieben haben, aber ‚TRUMP‘ hat sie gerettet. Amerika ist jetzt die Krypto-Hauptstadt der Welt, und Gründer und Unternehmer kommen zurück in die Vereinigten Staaten, wo sie hingehören.“ Der Beitrag markiert Trumps erste öffentliche Einordnung zur Krypto-Marktstruktur seit März, wie die Journalistin Eleanor Terrett auf X hervorhob.
Besonders relevant ist Trumps Formulierung, seine Regierung werde eine „zukunftssichere“ Marktstruktur für digitale Vermögenswerte „kodifizieren“. Weiter schrieb Trump: „Unter meiner Führung werden wir eine zukunftssichere Marktstruktur für digitale Vermögenswerte gesetzlich verankern, die von den Krypto-Hassern nicht rückgängig gemacht werden kann. Die neue Grenze der Finanzwelt wird in Amerika gebaut, und ‚TRUMP‘ wird Krypto niemals im Stich lassen.“ Damit verschiebt das Weiße Haus den Fokus von administrativen Leitlinien hin zu Gesetzgebung, die für spätere Behördenleitungen schwerer zurückzudrehen wäre.
CFTC-Chairman Mike Selig griff Trumps Sprache kurz darauf auf und schrieb auf X: „Dank der Führung von @POTUS ist Amerika die Krypto-Hauptstadt der Welt. Bitcoin, Krypto-Perpetuals und Innovation kommen nach Amerika.“ Selig hatte die CFTC bereits als zentrale Behörde für die nächste Phase der US-Kryptoaufsicht positioniert. In seinen ersten öffentlichen Äußerungen als CFTC-Vorsitzender am 29. Januar 2026 sagte er, das neue Kapitel der Behörde werde sich auf „regulatorische Klarheit, behördenübergreifende Koordination und erlaubnisfreie Innovation“ konzentrieren.
Thanks to @POTUS’ leadership, America is the Crypto Capital of the World. Bitcoin, Crypto Perpetuals, and INNOVATION are Coming to America. pic.twitter.com/7q0OUgX1Wo
— Mike Selig (@MichaelSelig) May 27, 2026
CLARITY Act rückt in den Fokus der US-Politik
Der politische Hintergrund ist der Digital Asset Market Clarity Act, kurz CLARITY Act. Das Repräsentantenhaus verabschiedete H.R. 3633 im Juli 2025 mit einer parteiübergreifenden Mehrheit von 294 zu 134 Stimmen. Am 14. Mai 2026 brachte der Bankenausschuss des Senats die Vorlage mit 15 zu 9 Stimmen weiter und beschrieb sie als umfassende Gesetzgebung zur Schaffung „klarer Spielregeln“ für digitale Vermögenswerte. Zwei Demokraten haben den Ausschussbeschluss unterstützt, sich wollten sich aber nicht auf eine Zustimmung im Senatsplenum festlegen.
Der Gesetzentwurf würde unter anderem eine Kategorie für sogenannte ancillary assets schaffen, bestimmte Erst- und Halbjahresoffenlegungen verlangen und mit „Regulation Crypto“ eine Ausnahme von der SEC-Registrierung für bestimmte Angebote solcher Vermögenswerte einführen. Emittenten könnten demnach über vier Jahre hinweg jährlich den höheren Betrag aus 50 Millionen US-Dollar oder 10 Prozent des ausstehenden Werts der ancillary assets aufnehmen, gedeckelt bei 200 Millionen US-Dollar. Digitale Rohstoff-Broker, -Dealer und -Börsen würden zudem als Finanzinstitute im Sinne des Bank Secrecy Act behandelt, wodurch AML-Programme, Kundenidentifikation und Due-Diligence-Pflichten in den Rahmen einbezogen würden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Abgrenzung zwischen SEC und CFTC. Die Arbeitsgruppe des Weißen Hauses zu digitalen Vermögenswerten empfahl im Juli 2025, auf CLARITY aufzubauen und der CFTC Zuständigkeit für Spotmärkte nicht-wertpapierähnlicher digitaler Vermögenswerte zu geben. SEC und CFTC sollen zugleich bestehende Befugnisse nutzen, um Registrierung, Verwahrung, Handel und Aufzeichnungspflichten zu präzisieren. SEC-Chair Paul Atkins formulierte im November 2025 denselben Grundgedanken: Er unterstütze Bemühungen des Kongresses, einen umfassenden Krypto-Marktrahmen gesetzlich zu verankern, weil „solide gesetzliche Sprache des Kongresses“ das stärkste Mittel gegen spätere regulatorische Kehrtwenden sei.
Trumps Verweis auf Krypto-Perpetuals ist dabei mehr als politische Rhetorik. Selig sagte im Januar, Perpetual Contracts hätten sich breit für Risikomanagement und Preisfindung etabliert, während die vorherige Regierung keinen Onshore-Pfad für diese Produkte geschaffen habe. Die CFTC werde verfügbare Instrumente nutzen, um Perpetuals und andere neuartige Derivate unter Schutzvorkehrungen in regulierte US-Märkte zu holen. Das deutet darauf hin, dass die Marktstrukturdebatte nicht nur Spotbörsen betrifft, sondern auch Derivateliquidität, gehebelte Kryptoprodukte und die Rückverlagerung von Handelsaktivität aus Offshore-Strukturen.
Politisch bleiben mehrere Konfliktlinien offen. Einige Demokraten hielten die AML-Bestimmungen für zu schwach und forderten, politische Amtsträger stärker daran zu hindern, von Kryptounternehmen zu profitieren. Senatorin Elizabeth Warren sagte beim Markup, der Entwurf sei zu freundlich gegenüber Kryptofirmen und könne Verbraucher, Investoren, nationale Sicherheit und das Finanzsystem gefährden. Banken wiederum richten ihren Blick vor allem auf Stablecoin-Yield-Regeln, weil sie befürchten, Kryptofirmen könnten über Belohnungen auf Stablecoin-Guthaben mit klassischen Einlagen konkurrieren.
Parallel ist der Stablecoin-Teil der Agenda bereits Gesetz. Trump unterzeichnete am 18. Juli 2025 den GENIUS Act, der das erste bundesweite Regelsystem für Stablecoins schuf. Das Weiße Haus beschrieb zentrale Elemente wie eine 100-prozentige Reserveunterlegung mit liquiden Vermögenswerten, darunter US-Dollar oder kurzfristige Staatsanleihen, monatliche öffentliche Reserveberichte, Marketingbeschränkungen und vorrangige Ansprüche von Stablecoin-Inhabern im Insolvenzfall. Der CLARITY Act wäre nun der breitere Versuch, die Marktstruktur für digitale Assets insgesamt festzuschreiben.
Trumps neuer Vorstoß setzt den CLARITY Act in den Mittelpunkt der US-Kryptopolitik und verbindet ihn mit dem Ziel, Bitcoin-Märkte, Perpetuals und digitale Innovation dauerhaft in regulierte US-Strukturen zu holen. Der Gesetzentwurf hat mit dem Ausschussvotum im Senat an Dynamik gewonnen, ist aber noch nicht verabschiedet. Entscheidend werden nun die Senatsabstimmung, mögliche Anpassungen gegenüber der House-Version und die Frage, ob die politischen Konflikte über AML, Stablecoin-Yield und Behördenzuständigkeiten rechtzeitig gelöst werden.
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