IOTA und mehrere institutionelle Partner treiben die Digitalisierung des afrikanischen Binnenhandels voran. Kenia, Marokko und Nigeria werden die ersten Länder sein, in denen ADAPT, die „Africa Digital Access and Public Infrastructure for Trade“-Initiative, umgesetzt wird. Das Programm wird vom Sekretariat der African Continental Free Trade Area, kurz AfCFTA, gemeinsam mit dem Tony Blair Institute for Global Change, dem World Economic Forum und der IOTA Foundation entwickelt.
IOTA startet ADAPT-Piloten in drei Ländern
Das AfCFTA-Sekretariat hat in Accra bekannt gegeben, dass Kenia, Marokko und Nigeria die ersten Pilotländer für ADAPT werden. Die Initiative soll digitale öffentliche Infrastruktur für den Handel aufbauen und damit die praktische Umsetzung eines einheitlichen afrikanischen Marktes unterstützen. IOTA bezeichnete ADAPT in einem X-Post als Vorhaben, das „gemeinsame digitale Infrastruktur für einen einheitlichen afrikanischen Markt“ schaffen soll.
Die Auswahl der drei Länder erfolgte nach einem zweistufigen Verfahren. Berücksichtigt wurden unter anderem die nationale Ratifizierung des relevanten Protokolls, politische Unterstützung, institutionelle Bereitschaft, rechtliche und regulatorische Abstimmung, digitale öffentliche Infrastruktur, technische Kapazitäten, Einbindung des Privatsektors und die Fähigkeit zur Umsetzung einschließlich möglicher Kofinanzierung. Ziel ist es, Pilotmärkte zu wählen, die reale Anwendungsfälle liefern und spätere Skalierung in weiteren Ländern ermöglichen.
Wamkele Mene, Generalsekretär des AfCFTA-Sekretariats, verknüpfte ADAPT mit den wirtschaftlichen Ambitionen der Freihandelszone. „Die vollständige Umsetzung der AfCFTA könnte die innerafrikanischen Exporte um mehr als 80 Prozent steigern und bis 2035 bis zu 450 Milliarden US-Dollar generieren. Durch Initiativen wie ADAPT wird digitale öffentliche Infrastruktur, die digitale Identität, Zahlungen und Datensysteme umfasst, zum Motor, der Handelskosten senkt, Marktzugang erweitert und einen wettbewerbsfähigeren, inklusiveren und widerstandsfähigeren afrikanischen Binnenmarkt ermöglicht.“
ADAPT wurde im November 2025 gestartet und soll die digitale Grundlage für die Verbindung aller 55 afrikanischen Länder schaffen. Im Zentrum stehen sichere digitale Identitätssysteme, grenzüberschreitender Datenaustausch, Interoperabilität und integrierte Zahlungsinfrastruktur. Die Initiative baut auf der interoperablen digitalen Handelsinfrastruktur TWIN auf und soll nationale Digitalisierungsbemühungen stärker in grenzüberschreitende Netzwerke überführen.
Dominik Schiener, Mitgründer und Vorsitzender der IOTA Foundation, hob die Rolle vertrauenswürdiger Dateninfrastruktur hervor. „Afrika hat eine einzigartige Chance, fragmentierte, papierbasierte Handelssysteme zu überspringen und digitale Vertrauensinfrastruktur zu etablieren, die für die Zukunft konzipiert ist. ADAPT digitalisiert nicht nur Prozesse, sondern schafft auch eine gemeinsame, interoperable Grundlage, auf der Handelsdaten vertrauenswürdig, verifizierbar und sicher über Grenzen hinweg ausgetauscht werden können.“

Schiener schrieb ergänzend auf X, er sei „wirklich stolz auf die Pionierarbeit“, die IOTA gemeinsam mit der AfCFTA, dem Tony Blair Institute und weiteren Partnern zur Digitalisierung des Handels in Afrika leiste. „Kenia, Marokko und Nigeria werden die ersten ADAPT-Implementierungen sein. Viel mehr wird folgen, sobald die Handelsrouten vollständig operativ sind.“ Für IOTA ist das Projekt damit nicht nur ein Infrastrukturmandat, sondern auch ein groß angelegter Praxistest für interoperable Handels- und Vertrauenssysteme.
Kenia, Marokko und Nigeria führen ADAPT an
In den drei Pilotländern beginnt nun die operative Umsetzung. Vorgesehen sind ADAPT Country Implementation Forums, die Einbindung zentraler Komponenten digitaler öffentlicher Infrastruktur wie digitaler Identitätssysteme und Payment Rails sowie die Angleichung nationaler Systeme an kontinentale Interoperabilitätsstandards. Erste Maßnahmen konzentrieren sich auf Live-Datenaustausch über Grenzen hinweg, die Digitalisierung von Handelsdokumenten am Ursprung und schnellere sowie sicherere Transaktionen für Unternehmen im innerafrikanischen Handel.
Die Pilotstaaten sollen zudem Governance-Modelle, regulatorische Ansätze und reale Anwendungsfälle testen, die später auf weitere Länder übertragen werden können. Dazu zählt auch die Prüfung neuer Bereiche wie digitaler Währungen. In der Mitteilung heißt es, ADAPT werde Unternehmen jeder Größe in Afrika neue Möglichkeiten beim Zugang zu digitalen Zahlungslösungen eröffnen, einschließlich einer künftigen Untersuchung digitaler Währungen wie Stablecoins.
Frank Matsaert, Global Lead for Trade beim Tony Blair Institute for Global Change, ordnete den Start als Beginn der praktischen Umsetzung unter der AfCFTA ein. „Der Start von ADAPT in diesen ersten drei Ländern markiert den Beginn seiner Implementierung im Rahmen der AfCFTA. Indem digitales Vertrauen und Interoperabilität im Kern von Handelsprozessen verankert werden, legen die AfCFTA und ihre Partner die Grundlage für einen stärker vernetzten, wettbewerbsfähigeren und widerstandsfähigeren afrikanischen Markt.“
Die Initiative adressiert konkrete Reibungspunkte im afrikanischen Handel. Papierbasierte Prozesse, fragmentierte Systeme und begrenzte Interoperabilität verursachen Verzögerungen und zusätzliche Kosten an Grenzen. ADAPT soll diese Hürden durch sicherere, effizientere und stärker standardisierte grenzüberschreitende Abläufe reduzieren und damit die Einbindung Afrikas in regionale und globale Wertschöpfungsketten stärken.
Chido Munyati, Head of Africa und Mitglied des Executive Committee beim World Economic Forum, betonte die Bedeutung praktischer Umsetzung. „Afrikas Handelszukunft wird davon geprägt sein, wie wirksam wir die AfCFTA umsetzen und reale Barrieren im grenzüberschreitenden Handel abbauen. Das erfordert eine stärkere Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor sowie Lösungen, die in afrikanischen Realitäten verankert sind.“ ADAPT stehe für den Schritt „von Ambition zu Umsetzung“, indem vertrauenswürdige digitale Rahmenbedingungen Handel schneller, transparenter und inklusiver machen sollen.
Mit Kenia, Marokko und Nigeria erhält ADAPT nun seine ersten operativen Testfelder. Für die AfCFTA, IOTA und die weiteren Partner wird entscheidend sein, ob die Pilotprojekte belastbare Standards für Identität, Daten, Dokumentation und Zahlungen liefern, die sich über Ländergrenzen hinweg skalieren lassen. Gelingt dies, könnte ADAPT zu einem digitalen Rückgrat des innerafrikanischen Handels werden und die technische Grundlage für einen stärker integrierten afrikanischen Markt schaffen.
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