Der chinesische Mining-Unternehmer Jiang Zhuoer, CEO von BTCTOP, sieht das Risiko eines substantiellen Bitcoin-Nettoverkaufs durch Strategy als begrenzt. In einem X-Post und begleitenden Chat-Auszügen argumentierte Jiang, dass selbst ein Rückgang von Bitcoin auf 30.000 Dollar aus seiner Sicht nicht ausreichen würde, um Strategy in eine akute Zwangslage zu bringen. Im Zentrum seiner Einschätzung stehen die Kapitalstruktur des Unternehmens, die Rolle der STRC-Vorzugsaktien und die Frage, ob kleinere Bitcoin-Verkäufe eher als Liquiditäts- und Vertrauenssignal denn als Abkehr von der Bitcoin-Strategie zu verstehen sind.
BTCTOP-Chef sieht Strategy-Risiko begrenzt
Jiang Zhuoer, CEO von BTCTOP und eine der prominenten Stimmen aus Chinas Mining-Sektor, widerspricht der Sorge, Strategy könne gezwungen sein, in großem Umfang Bitcoin zu verkaufen. Auf X schrieb Jiang: „Bezüglich des FUD: Ich glaube, dass MicroStrategy BTC nicht substantiell netto verkaufen wird. Die Gründe sind in der Gruppendiskussion zu sehen, in der auch MicroStrategys Verbindlichkeiten, Zinszahlungen, Finanzierung und andere Fragen besprochen wurden.“ Seine Kernthese lautet nicht, dass Strategy niemals Bitcoin verkauft, sondern dass Verkäufe nach seiner Einschätzung durch noch größere Käufe über neue Finanzierungen überkompensiert werden könnten.
In den geteilten Chat-Auszügen wird diese Logik anhand der STRC-Struktur erläutert. Dort heißt es: „MicroStrategy wird seine Coins nicht in erheblichem Umfang netto verkaufen. Er hat den Grund für den letzten Coin-Verkauf bereits in einem Interview erklärt.“ Weiter wird argumentiert, dass Strategy einen buchhalterisch nachvollziehbaren Weg brauche, um Zahlungen auf STRC zu leisten: „MicroStrategy muss einige der frühesten und günstigsten Bitcoin verkaufen. So kann es buchhalterisch Investmentgewinne ausweisen. Wenn es dann diese Investmentgewinne aus dem Bitcoin-Verkauf verwendet, um STRC-Zinsen zu zahlen, ist das vollständig nachvollziehbar.“
Der entscheidende Punkt ist für Jiang die Netto-Betrachtung. Die Chat-Auszüge formulieren es so: „Gleichzeitig verwendet MicroStrategy das Geld aus dem Verkauf weiterer STRC, um noch mehr Bitcoin zu kaufen. Seine Bitcoin-Position bleibt also weiterhin ein Nettokauf.“ Jiang räumt dabei ein, dass sich die tatsächliche interne Motivation von Strategy nicht abschließend ableiten lässt, hält die dargestellte Erklärung aber für konsistent: „Auch wenn wir nicht wissen, ob MicroStrategy tatsächlich versucht, Bitcoin hoch zu verkaufen und niedrig zurückzukaufen, oder ob die obige Erklärung wirklich sein tatsächliches Denken ist, ist sie zumindest logisch in sich stimmig. Ich glaube weiterhin, dass MicroStrategy Bitcoin nicht substantiell netto verkaufen wird.“
Warum Jiang Zhuoer bei 30.000 Dollar gelassen bleibt
Jiang verweist vor allem auf die seiner Darstellung nach niedrige Verschuldung im Verhältnis zu den Vermögenswerten. In den Chat-Auszügen heißt es: „Nein, das wird es nicht. Die aktuelle Schuldenquote im Verhältnis zu den Vermögenswerten beträgt nur 5 Prozent. Dass STRC seine Bindung verliert, ist nur kurzfristige Marktstimmung.“ Aus seiner Sicht adressiert gerade die Bereitschaft, bei Bedarf Bitcoin zu verkaufen, die zentrale Sorge von STRC-Investoren: „Wovor STRC-Käufer sich am meisten fürchten, ist, dass MicroStrategy sich weigert, Bitcoin zu verkaufen und dann bei STRC-Zinszahlungen ausfällt. Jetzt signalisiert MicroStrategy, dass es Bitcoin verkaufen kann, und beseitigt damit faktisch die größte Sorge der STRC-Investoren.“
Zur Veranschaulichung nutzt Jiang einen Immobilienvergleich. „Es ist so, als würde ich mir von dir Geld leihen, um Häuser zu kaufen. Obwohl ich viele Häuser gekauft habe, habe ich vorher immer gesagt, dass ich die Häuser niemals verkaufen werde. Würdest du dich dann nicht etwas unwohl fühlen, wie ich deine Zinsen und dein Kapital zurückzahlen soll?“ Wenn der Schuldner dagegen verkaufe und damit Zinsen bediene, ändere sich die Wahrnehmung: „Jetzt sage ich, dass die Häuser verkauft werden können, und ich habe tatsächlich ein Haus verkauft, das Geld genommen und die Zinsen bezahlt. Würde dich das nicht weniger besorgt machen, mir Geld zu leihen? Schließlich habe ich Häuser im Wert von 10 Milliarden und nur 500 Millionen geliehen.“
Auch bei einem deutlich niedrigeren Bitcoin-Preis sieht Jiang keinen unmittelbaren Bruch der Strategie. In den Auszügen heißt es: „Im schlimmsten Fall, wenn nach sechs Monaten das Bargeld ausgeht, kann es Coins verkaufen, um die Zinsen zu zahlen. Der STRC-Preis hängt nicht vom Bitcoin-Preis ab. Menschen, die STRC kaufen, sind Menschen, die Bitcoin nicht kaufen wollen; sie kümmern sich nur darum, ob MicroStrategy bereit ist, Dividenden zu zahlen.“ Seine Schlussfolgerung ist entsprechend klar: „Die Zinsen, die STRC zahlen muss, sind im Verhältnis zur Liquidität im BTC-Markt ein Rundungsfehler eines Rundungsfehlers. Der Betrag, den es zahlen muss, ist also sehr klein. Selbst wenn Bitcoin erneut halbiert auf 30.000 Dollar fällt und dort bleibt, würden MicroStrategys Bitcoin immer noch ausreichen, um mehr als zehn Jahre lang zu zahlen.“
Jiangs Einschätzung zeichnet Strategy nicht als risikofreies Vehikel, sondern als Unternehmen, dessen relevante Risiken aus seiner Sicht durch Vermögensbasis, flexible Bitcoin-Verkäufe und fortgesetzte Kapitalaufnahme begrenzt bleiben. Entscheidend ist für ihn, ob Strategy die „Glaubensnarrative“ aufrechterhält, also mehr Bitcoin kauft als verkauft, während STRC-Zahlungen zuverlässig bedient werden. Für den Markt bleibt damit nicht allein der Bitcoin-Preis maßgeblich, sondern auch die Frage, ob Strategy seine Finanzierung so steuern kann, dass traditionelle Kapitalgeber und Bitcoin-orientierte Investoren gleichzeitig überzeugt bleiben.
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