Der Selloff bei STRC und SATA hat das junge Segment „Digital Credit“ einem frühen Belastungstest unterzogen. Am Bitcoin-Markt sorgte das für große Verunsicherung. Die beiden Preferred-Equity-Produkte, die auf stabile Kurse um 100 US-Dollar und hohe laufende Ausschüttungen ausgelegt sind, fielen am 18./19. Juni deutlich unter ihre Zielmarken, bevor Käufer die Kurse wieder nach oben zogen. Strive-CEO Matt Cole deutet die Bewegung nicht als Bonitätsproblem, sondern als erzwungene Enthebelung eines Marktes, der seine eigene Liquidität gerade erst findet.
STRC und SATA testen Vertrauen in Digital Credit
STRC, Strategys „Variable Rate Series A Perpetual Stretch Preferred Stock“, fiel intraday bis auf 82,61 US-Dollar; Cole nannte in seinem X-Beitrag ein Tief von 82,50 US-Dollar. SATA, Strives vergleichbares Digital-Credit-Produkt, rutschte von Par bis in die niedrigen 90er und erreichte nach den vorliegenden Marktdaten 92,92 US-Dollar, bevor auch dieses Papier deutlich reboundete. Cole schrieb dazu: „Heute war der schwierigste Tag in der Geschichte von Digital Credit. STRC wurde zeitweise bei nur 82,50 US-Dollar gehandelt, bevor es sich scharf erholte. SATA fiel von Par bis in die niedrigen 90er, bevor es ebenfalls zurückkam.“
Der Vertrauensbruch ist deshalb relevant, weil beide Instrumente als liquide, relativ stabile Yield-Produkte positioniert wurden. STRC wurde im Juli 2025 zu 90 US-Dollar je Aktie platziert, mit einem stated amount beziehungsweise Zielwert von 100 US-Dollar; die Erlöse sollten unter anderem für Bitcoin-Käufe und Working Capital verwendet werden. Strategy beschreibt STRC als variabel verzinste, perpetual Preferred Stock, deren Dividende bei 9,00 Prozent p.a. startete und monatlich angepasst werden kann, um den Kurs möglichst nahe an 100 US-Dollar zu halten; im Juni 2026 lag die annualisierte variable Dividendenrate bei 11,50 Prozent. Zugleich weist Strategy selbst darauf hin, dass STRC nicht durch die Bitcoin-Bestände collateralized ist, sondern lediglich einen bevorzugten Anspruch auf residuale Unternehmenswerte hat.
SATA ist Strives öffentlich gehandeltes Preferred-Equity-Instrument mit 13 Prozent APR und wird von Strive ausdrücklich als Teil des Digital-Credit-Sektors positioniert. Seit dem 16. Juni 2026 soll die Dividende an jedem Geschäftstag gezahlt werden, also rund 250-mal im Jahr statt monatlich. Der Marktstress trifft damit nicht nur zwei Einzeltitel, sondern ein Produktversprechen: liquide Kredit-ähnliche Instrumente mit geringer Volatilität, während die Emittenten Bitcoin-Risiken auf der Bilanz tragen. Cole formulierte den Lerneffekt so: „Digital Credit steckt noch in den Kinderschuhen. Es ist besser, wenn der Markt diese Dynamiken jetzt erlebt und daraus lernt, solange er noch relativ klein ist, als erst in einigen Jahren, wenn der Markt um ein Vielfaches größer ist.“
Cole sieht Liquidation statt schwächerer Bonität
Cole, CEO von Strive, stellte in seinem X-Beitrag klar, dass er den Ausverkauf als Leverage-Liquidation und nicht als Credit Event einordnet. „Was heute passiert ist, war ein Leverage-Liquidationsereignis, keine Verschlechterung der zugrunde liegenden Kreditqualität“, schrieb er. Seine Erklärung setzt bei einem bekannten Muster aus Income-Märkten an: Renditestarke, scheinbar stabile Assets werden nicht nur gehalten, sondern beliehen, gehebelt und zur Carry-Optimierung genutzt. „Das funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert. Wenn sich Märkte gegen gehebelte Halter bewegen, können erzwungene Verkäufe eine Kaskade auslösen. Preise fallen, Margin Calls nehmen zu, es wird noch mehr verkauft, und der Kreislauf verstärkt sich selbst.“
Cole zog dabei eine Parallele zur traditionellen Finanzwelt, in der auch hochwertige Sicherheiten bei übermäßigem Leverage unter Druck geraten können. „Wir haben das in der traditionellen Finanzwelt schon oft gesehen. Einige der größten Hedgefonds-Zusammenbrüche der Geschichte betrafen hoch gehebelte Positionen in US-Staatsanleihen. Nicht weil Treasuries plötzlich schlechte Kredite wurden, sondern weil Investoren sich überdehnt hatten, während sie versuchten, zusätzliche Rendite auf Assets zu erzielen, die sicher und stabil erschienen.“ Für Strive betonte er zugleich: „Unsere Dividendenreserven bleiben intakt. Unser Unternehmen steht nicht unter Stress. Wir sind weiterhin gut positioniert, unsere Verpflichtungen zu erfüllen und unsere Strategie weiter umzusetzen.“
Der Gegenpol zu Coles Einordnung liegt in den strukturellen Risiken, die der Selloff sichtbar gemacht hat. Bei STRC ist der Kurs um 100 US-Dollar für Strategy ein zentraler Kapitalmarktmechanismus: Handelt das Papier nahe oder über Par, kann Strategy über ATM-Programme neue Anteile ausgeben und Erlöse für Bitcoin-Käufe verwenden; unter Par wird dieser Kanal schwächer oder pausiert. CoinDesk berichtete, dass Strategy die STRC-ATM-Ausgabe pausierte, nachdem STRC unter den 100-Dollar-Parwert gefallen war.
Hinzu kommt, dass Strategy Anfang Juni 32 BTC für rund 2,5 Millionen US-Dollar verkaufte, um Preferred-Stock-Dividenden zu finanzieren. Michael Saylor, Mitgründer und Executive Chairman von Strategy, hatte diesen Schritt in einem CoinDesk-Interview ökonomisch als begrenzt dargestellt und sinngemäß gesagt, selbst wenn Strategy alle Dividenden über Bitcoin-Verkäufe finanzieren würde, kaufe das Unternehmen nach seiner Darstellung für jeden verkauften Bitcoin etwa 20 Bitcoin. In einem weiteren Interview sagte Saylor zudem, er habe die Preferred-Stock-Struktur mithilfe von KI beziehungsweise ChatGPT entwickelt und über Stunden mit dem Modell daran gearbeitet; er habe ein monatlich zahlendes Preferred-Instrument gewollt, das „stabil bei hundert“ bleibt.
Für Investoren liegt die zentrale Unterscheidung nun zwischen Preisstress, Liquiditätsstress und echter Bonitätsverschlechterung. Cole fasste diese Trennung prägnant zusammen: „Ein Liquidationsereignis und ein Kreditereignis sind nicht dasselbe.“ Der Rebound von STRC und SATA von ihren Intraday-Tiefs zeigt nach seiner Einschätzung, dass auf tieferen Niveaus substanzielle Nachfrage in den Markt kam; zugleich hat der Bruch unter Par offengelegt, wie empfindlich junge Digital-Credit-Strukturen auf Leverage, Vertrauen und Kapitalmarktzugang reagieren können.
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