IOTA rückt mit TWIN stärker in den Fokus der digitalen Handelsinfrastruktur. Das von Distributed-Ledger-Technologie gestützte Netzwerk soll Papierprozesse im grenzüberschreitenden Handel ersetzen, Identitäten entlang von Lieferketten verifizierbar machen und Behörden, Logistikakteure sowie Finanzierer in interoperable Datenflüsse einbinden. Nach einem Jahr zieht die TWIN Foundation in einem neuen Blogbeitrag seine Bilanz.
IOTA treibt TWIN im globalen Handel voran
Die TWIN Foundation positioniert TWIN als „trusted trade network“, also als vertrauenswürdiges Handelsnetzwerk für globale Lieferketten. In ihrer Beschreibung heißt es: „TWIN wurde im Mai 2025 gestartet, um das zu ändern. TWIN ist das vertrauenswürdige Handelsnetzwerk: eine globale digitale Infrastruktur, die von Distributed-Ledger-Technologie angetrieben wird.“ Der Kern der Initiative liegt damit nicht in einem rein krypto-finanziellen Anwendungsfall, sondern in der Digitalisierung realer Handelsprozesse, bei denen Dokumente, Identitäten und Warenbewegungen synchronisiert werden sollen.
Als Problemrahmen verweist die TWIN Foundation auf die anhaltende Papierlast im internationalen Handel. „Jeden Tag bewegen sich Waren über Grenzen. Schiffe fahren, Lastwagen rollen, Flugzeuge heben ab. Doch hinter den Kulissen läuft der Handel noch immer auf Papier.“ Eine einzelne grenzüberschreitende Transaktion könne bis zu 30 verschiedene Beteiligte, 36 Dokumente und bis zu 240 Papierkopien umfassen. Die Folge seien Verzögerungen, Fehler, steigende Kosten und Fracht, die stehen bleibe, während sich die Welt weiterbewege.
Für IOTA ist TWIN damit ein Real-World-Infrastructure-Thema mit direktem Bezug zu Handel, Logistik und Finanzierungsprozessen. Die Foundation beschreibt den Ansatz ausdrücklich als „RealFi“ und fasst ihn mit dem Satz zusammen: „Das ist RealFi. Angetrieben von IOTA.“ Ein Jahr nach dem Start meldet TWIN Fortschritte auf drei Kontinenten: in Afrika über TLIP, im Vereinigten Königreich über Grenz- und Hafeninfrastruktur, in Europa über Lieferketten- und Handelsfinanzierungsprojekte sowie in Asien über vorbereitende Gespräche zu digitaler Verifikationsinfrastruktur.
TWIN-Piloten liefern Tempo an Häfen und Grenzen
In Afrika bildet TWIN die technologische Grundlage von TLIP, der mit TradeMark Africa entwickelten ostafrikanischen Handelslogistikplattform. TLIP bereitet derzeit den vollständigen öffentlichen Start später in diesem Jahr vor und hat seit Beginn mehr als 184.000 Handelsrechnungen verarbeitet, 328.000 Deklarationen erhalten und über 2.000 Exportzertifikate ausgestellt. Zu den wichtigen Nutzern zählen Blumenexporteure wie Maasai Flowers, Equator Flowers und AgriFlora. Die TWIN Foundation schreibt dazu: „Ein Jahr nach dem Start gewinnt TWIN auf drei Kontinenten an Boden: mit mehr als 184.000 über TLIP in Afrika verarbeiteten Rechnungen, Tests in der britischen Grenzinfrastruktur und Initiativen für Handelsfinanzierung und Lieferkettentransparenz in Europa.“
Parallel kommt TWIN bei Salus zum Einsatz, einer Handelsfinanzierungsplattform für kritische Mineralien in Ruanda, Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo. TWIN stellt dort die Identitätsschicht bereit, damit Teilnehmer entlang der Lieferkette – von Minenbetreibern über Transporteure bis zu Finanzierern – eindeutig identifiziert und verifiziert werden können, ohne auf eine zentrale Instanz angewiesen zu sein. Zudem inspiriert die TWIN-Technologie ADAPT, die Africa Digital Access and Public Infrastructure for Trade Initiative, die vom Sekretariat der African Continental Free Trade Area gemeinsam mit dem Weltwirtschaftsforum, dem Tony Blair Institute for Global Change und der IOTA Foundation vorangetrieben wird. ADAPT zielt darauf ab, bis 2035 alle afrikanischen Staaten und 1,5 Milliarden Menschen über eine einheitliche digitale Handelsinfrastruktur zu verbinden.
Die frühen Pilotdaten zeigen vor allem Zeitgewinne an Grenzen und Häfen. Bei Kenya-UK-Exportpiloten mit TLIP wurden Handelsdokumente, die zuvor bei Luftfracht acht Stunden und bei Seefracht drei Wochen bis zur Verfügbarkeit benötigten, in weniger als fünf Minuten zugänglich gemacht und britischen Grenzbeamten drei Wochen vor Ankunft der Waren angezeigt.
Im Vereinigten Königreich wurde TWIN zudem im Rahmen der Border Trade Demonstrators getestet, unter Beteiligung des UK Cabinet Office, der Suffolk Coastal Port Health Authority und des Chartered Institute of Export & International Trade. Dabei wurden Dokumente für rund 2.000 Sendungen gekühlten Geflügels aus Polen digitalisiert und Lieferkettendaten bis zu 20 Stunden früher an Grenzbehörden übermittelt. „Die frühen Ergebnisse der Piloten zeigen, was möglich ist, wenn Handel digital, sicher, flexibel und fair für alle Beteiligten wird“, heißt es in der Darstellung der TWIN Foundation.
Der nächste Maßstab für IOTA und TWIN liegt in der Umsetzung über Pilotprojekte hinaus. Bis 2030 soll TWIN in mehr als 30 Ländern eingeführt werden und nationale Handelssysteme, Hafenbehörden, Logistikplattformen sowie Finanzinstitute in einem interoperablen digitalen Netzwerk verbinden. Für kleine und mittlere Unternehmen sowie Kleinexporteure soll diese Infrastruktur den Zugang zu internationalen Märkten vereinfachen. Die TWIN Foundation formuliert das Ziel so: „Das Ziel ist eine Welt, in der jeder Teilnehmer am globalen Handel, groß oder klein, in Nairobi oder Newcastle, Zugang zu derselben vertrauenswürdigen digitalen Infrastruktur hat – und in der Papierarbeit niemals den Warenfluss verlangsamt.“
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