Galaxy Digital sieht den Boden der laufenden Bitcoin-Korrektur noch nicht als erreicht an. In einem neuen Research-Bericht vom 12. Juni argumentiert Alex Thorn, Head of Firmwide Research bei Galaxy, dass der Vier-Jahres-Zyklus von Bitcoin empirisch weiter Bestand habe, seine Ausschläge aber auf beiden Seiten kleiner würden. Für den aktuellen Drawdown leitet Galaxy daraus ein Basisszenario für ein mögliches Tief zwischen 40.000 und 46.000 US-Dollar bis spätestens ins vierte Quartal 2026 ab.
Galaxy: Bitcoin-Boden wohl noch nicht erreicht
Galaxy stellt die aktuelle Marktphase in den Kontext der bisherigen Bitcoin-Zyklen, die jeweils von einem Tief über das Halving zu einem Hoch und anschließend zurück zu einem neuen Tief verliefen. Der Bericht schreibt: „Während der 17-jährigen Existenz von Bitcoin hat sich der Preis in langen Wellen bewegt. Etwa alle vier Jahre stieg er auf ein euphorisches Hoch, fiel durch einen schmerzhaften Rückgang auf ein Tief und begann dann, sich zu erholen.“ Trotz der abnehmenden Wirkung der Halvings zeigten die Daten nach Einschätzung von Galaxy erneut, dass der Vier-Jahres-Rhythmus nicht verschwunden sei.
Der zentrale Befund: Das Hoch im Oktober 2025 sei zwar ein Zyklustop gewesen, aber der ruhigste in der Bitcoin-Historie. Galaxy formuliert es so: „Das Hoch war real, aber das leiseste seit Beginn der Aufzeichnungen. Beim Oktober-Hoch erreichten nur zwei von elf klassischen Warnsignalen überhaupt das mildeste Niveau früherer Tops, und beide nur knapp.“ Der MVRV-Wert, also das Verhältnis von Marktwert zu realisiertem Wert, erreichte demnach nur 2,29, verglichen mit 2,93 bis 5,91 bei den drei vorherigen Zyklustops.
Gerade diese gedämpfte Übertreibung führt nach Galaxy nicht dazu, dass der Boden bereits hinter dem Markt liegt. Im Gegenteil: „Dieser Bericht geht davon aus, dass das Tief des aktuellen Drawdowns noch nicht erreicht ist, und wir präsentieren Daten, die diese Annahme stützen. Die Daten deuten außerdem darauf hin, dass der ruhigere Top im Oktober 2025 wahrscheinlich zu einem flacheren Boden führen wird.“ Historische Analogien ergäben für Galaxy ein Basisszenario zwischen 40.000 und 46.000 US-Dollar, wobei der Bericht ausdrücklich mit Szenarien und nicht mit einem punktgenauen Kursziel arbeitet.
Daten deuten auf Tief zwischen 40.000 und 46.000 Dollar
Für die Einschätzung verweist Galaxy auf 13 historische Bodenindikatoren. Bis zum Berichtsstand hätten erst vier davon angeschlagen, zwei weitere näherten sich ihren Zonen, sieben seien noch nicht erreicht. Besonders wichtig: Die stärksten Signale früherer Böden seien bislang ausgeblieben. Galaxy schreibt: „Die stärksten Zeichen, die jeden echten Boden markiert haben — der Preis unter der Kostenbasis, Halter auf aggregierten Verlusten, anhaltende Verlustrealisierungen und eine tiefe Kapitulationswelle — sind nicht eingetreten.“ Der aktuelle Rückgang von rund 51 Prozent sei zudem deutlich milder als die 77 bis 85 Prozent der früheren Bärenmarkttiefs.
Die Kostenbasis spielt in der Analyse eine Schlüsselrolle. Galaxy beziffert sie aktuell auf etwa 53.000 US-Dollar; der Bitcoin-Preis liege nur rund 14 Prozent darüber. Weil das Oktober-Top mit einem MVRV von 2,29 so moderat ausfiel, lag die Kostenbasis beim Hoch bei 43,7 Prozent des Allzeithochs, deutlich höher als in früheren Zyklen. „Ein ruhiger Top senkt den Boden nicht; ein ruhiger Top hebt den Boden, indem er die Kostenbasis deutlich näher an den Höchststand bringt“, heißt es im Bericht. Daraus ergibt sich für Galaxy, dass alte Faustregeln wie ein pauschaler Rückgang um 75 bis 85 Prozent heute weniger aussagekräftig seien.
Aus den Szenarien ergibt sich die Spanne: „Unser Basisszenario, in dem der Boden einfach den zyklischen Anstieg in Richtung fairen Werts fortsetzt, liegt bei einem MVRV von 0,75 bis 0,86 nahe 40.000 bis 46.000 US-Dollar. Ein härterer Ausverkauf auf ein Niveau wie 2018 oder 2022, also ein MVRV von 0,56 bis 0,70, landet nahe 30.000 bis 37.000 US-Dollar.“ Ein flacheres Szenario, bei dem Käufer den Rückgang nahe der Kostenbasis absorbieren, sieht Galaxy dagegen bei etwa 51.000 bis 54.000 US-Dollar. Entscheidend sei, ob die Kostenbasis stabil bleibt oder in einer echten Panik selbst nach unten gezogen wird.
Galaxy beschreibt die Analyse ausdrücklich als datenbasierte Einordnung der Zyklusstruktur, nicht als sichere Kursprognose. Der Bericht fasst zusammen: „Wenn die tiefen Signale bei Preisen weit oberhalb der alten Zone zu kippen beginnen, war die Kompression auf beiden Seiten real. Wenn stattdessen eine vollständige Kapitulation nach altem Zeitplan einsetzt, hat der ruhige Top den Schmerz lediglich verzögert, nicht reduziert.“ Für professionelle Marktteilnehmer bleibt damit vor allem die Frage relevant, ob Bitcoin in den kommenden Monaten unter die Kostenbasis fällt und ob die bislang fehlenden Kapitulationssignale nachziehen.
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