Die jüngste Rallye von VVV hat die Umsatzgeschichte hinter Venice stärker in den Fokus des Kryptomarkts gerückt. Der Token liegt seit Jahresbeginn rund 970 Prozent im Plus und zählte in den vergangenen sieben Tagen mit einem Plus von 24,22 Prozent zu den vier stärksten Krypto-Assets hinter HYPE, Nexus und Zcash. Im Zentrum der Debatte steht nun weniger die reine Kursbewegung als die Frage, ob Venice, eine privacy-orientierte KI-Inferenzplattform, bereits deutlich mehr wiederkehrende Umsätze erzielt, als viele Marktteilnehmer einpreisen.
VVV-Rallye lenkt Blick auf Venice-Umsätze
Yan Liberman, Managing Partner von Delphi Ventures und Mitgründer von Delphi Digital, beschreibt Venice in einem ausführlichen X-Beitrag als „Crypto AI’s most underappreciated revenue story“. Liberman hält VVV selbst und weist am Ende seines Beitrags ausdrücklich auf ein direktes finanzielles Interesse an der Performance des Tokens hin. Seine zentrale These lautet: „Venice ist eine Privacy-First-Plattform für KI-Inferenz, die Nutzern Zugang zu Frontier- und Open-Source-Modellen ermöglicht, ohne sich gegenüber dem zugrunde liegenden Modellanbieter identifizieren zu müssen. Ich halte sie heute für die vollständigste Privacy-Lösung im KI-Markt.“
Der Analyst verweist darauf, dass Venice zuletzt tägliche Abonnentendaten veröffentlicht hat. Diese Daten zeigen nach seiner Auswertung eine Beschleunigung bei neu hinzukommendem Subscription-ARR. Liberman schreibt: „Die drei Wochen granularer Daten vom 26. April bis 16. Mai zeigen eine klare Rampe. Von Woche eins bis Woche drei wuchsen die täglichen MRR-Zuwächse um rund 34 Prozent.“ Nach seiner Modellrechnung stieg die Rate neuer Subscription-ARR-Zugänge von etwa 2 Millionen US-Dollar pro Woche Ende April auf rund 2,6 Millionen US-Dollar in der Woche vom 10. bis 16. Mai.
Für die Bewertung von VVV ist vor allem Libermans Umsatzmodell relevant. Er schätzt den aktuellen ARR von Venice auf rund 60 Millionen US-Dollar, zusammengesetzt aus etwa 33 Millionen US-Dollar Subscription-ARR und geschätzten 25 bis 30 Millionen US-Dollar API-ARR. Bei einem VVV-Kurs von 14 US-Dollar entspreche dies einer Marktkapitalisierung von rund 660 Millionen US-Dollar und einer vollständig verwässerten Bewertung von rund 1,12 Milliarden US-Dollar. „Auf aktuellem ARR handelt VVV bei ungefähr dem 11-Fachen des Umsatzes und beim 19-Fachen auf FDV-Basis“, schreibt Liberman. „Auf einem 12-Monats-Forward-ARR von ungefähr 260 Millionen US-Dollar handelt VVV bei rund dem 2,5-Fachen des Umsatzes und dem 4,3-Fachen auf FDV-Basis.“
Analyst sieht unterschätztes Wachstum bei Venice
Ein wesentlicher Teil der These beruht auf der Annahme, dass API-Umsätze zuletzt ungefähr im Verhältnis eins zu eins mit neuen Subscription-Umsätzen gewachsen sind. Liberman begründet dies mit Entwicklerdistribution und Token-Durchsatz. Venice sei über Integrationen wie OpenRouter, Fleek, Cursor, Brave Leo via BYOM und VSCode-Community-Erweiterungen in Entwickler-Workflows eingebunden. Zudem sei der tägliche Token-Durchsatz von 20 Milliarden Anfang Februar auf mehr als 60 Milliarden Anfang Mai gestiegen, während die zahlende Abonnentenbasis im selben Zeitraum nur um etwa 50 Prozent gewachsen sei. Daraus folgert er, dass ein erheblicher Teil des Wachstums aus API-Workloads stammen dürfte.
Die zweite Säule der Analyse ist die Privacy-Architektur. Liberman ordnet Venice in eine mehrstufige „Privacy Ladder“ ein und hebt hervor, dass Nutzer pro Anfrage zwischen Anonymous, Private, TEE und E2EE wählen können. Er formuliert den Unterschied so: „Die Stufen 0 bis 2 sind vor allem Policy- und Vertrags-Upgrades. Die Stufen 3 bis 4 verändern Routing und Modell- beziehungsweise Anbieterexponierung. Die Stufen 6 bis 7 verändern das Vertrauensmodell grundlegender, indem sie sich in Richtung hardwaregestützter und verschlüsselter Inferenz bewegen.“ Venice unterscheide sich dadurch, dass diese Modi in einem einzigen Verbraucherprodukt zusammengeführt würden.
Liberman sieht darin eine Positionierung, die über klassisches „Private AI Chat“-Marketing hinausgeht. In seiner Einschätzung treffen bei Venice mehrere Nachfragetreiber zusammen: Nutzer, die durch Content-Policies geschlossener KI-Labore ausgeschlossen werden, Entwickler mit Privacy-Anforderungen, Krypto-native Nutzer sowie Personen mit sensiblen oder regulierten Anwendungsfällen. Gleichzeitig nennt er Risiken, darunter Privacy-Angebote von Hyperscalern, lokale Inferenz, Konkurrenz durch Brave, DuckDuckGo, Lumo, Maple oder Tinfoil sowie die strukturelle Differenz zwischen Token und Equity.
Sein Fazit bleibt dennoch klar wachstumsorientiert: „Die zentrale Frage ist, ob die Zuwachsrate von hier aus anhält oder weiter beschleunigt. Bei heute 200 Millionen US-Dollar annualisiert und einem Tempo von 268 Millionen US-Dollar in der jüngsten Woche würde schon eine moderate Fortsetzung der aktuellen Entwicklung Venice in 12 bis 18 Monaten in eine deutlich andere Position bringen.“
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