Charles Schwab bereitet den nächsten Schritt seiner Krypto-Strategie vor: Nach dem Start von Spot-Trading für ausgewählte US-Privatkunden soll die RIA-Plattform des Finanzkonzerns künftig auch Beratern direkten Handel, Transfers und Verwahrung von Kryptowährungen ermöglichen. Im Fokus stehen zunächst die großen Linien eines geplanten Rollouts zur Jahresmitte 2027 — und die Frage, wie stark direkte Krypto-Allokationen in klassische Vermögensverwaltungsprozesse wandern.
Schwab plant Krypto-Spottrading für Berater
Charles Schwab will seine Krypto-Infrastruktur über das Retail-Geschäft hinaus in den Beraterkanal ausweiten. Jalina Kerr, Managing Director bei Schwab Advisor Services, sagte bei einem virtuellen Medien-Roundtable, Schwab sei für den geplanten Start im kommenden Jahr „auf Kurs“. Der Zeitplan liege „wahrscheinlich eher in der Mitte des Jahres“, ein exaktes Datum nannte Kerr jedoch nicht.
Für unabhängige Registered Investment Advisors wäre das ein relevanter Schritt, weil sie Kundenbestände in Bitcoin oder Ether künftig potenziell direkt innerhalb der Schwab-Custody-Umgebung verwalten könnten. Kerr beschrieb die Nachfrage aus der Beraterperspektive mit Blick auf Kunden, die bereits Kryptoassets außerhalb traditioneller Depotstrukturen halten: „Das Interesse der Berater an direktem Spot-Trading hat zugenommen. Kunden, die Krypto bereits anderswo halten, wollen diese Vermögenswerte in die gesamte Vermögensdiskussion einbeziehen.“ Damit würde Schwab nicht nur ein neues Handelsprodukt anbieten, sondern einen bislang oft getrennten Teil des Kundenvermögens näher an die Wealth-Management-Beratung rücken.
Die Größenordnung macht den geplanten Schritt besonders relevant. Charles Schwab meldete zum 30. April 2026 insgesamt 12,61 Billionen US-Dollar an Kundenvermögen und 39,3 Millionen aktive Brokerage-Konten. Das Geschäft Schwab Advisor Services betreut laut Schwabs Angaben mehr als 16.000 registrierte Investmentberater; die Advisor-Services-Kundenvermögen lagen Ende April bei rund 5,31 Billionen US-Dollar. Kerr verantwortet bei Schwab Advisor Services die Gestaltung der Kundenerfahrung über Strategie, Technologie und Wealth-Management-Lösungen hinweg.
RIA-Plattform soll 2027 Bitcoin und Ether öffnen
Die geplante Beraterlösung baut auf Schwabs Retail-Vorstoß auf. Am 16. April 2026 kündigte das Unternehmen Schwab Crypto als phasenweise eingeführtes Angebot für direkten Handel mit Bitcoin und Ethereum an; am 13. Mai begannen erste US-Privatkunden mit dem Handel von BTC und ETH auf der Plattform. Schwab beschreibt das Retail-Angebot als integrierte Handelsumgebung über Schwab.com, Schwab Mobile und thinkorswim, mit einer Gebühr von 75 Basispunkten auf den Dollarwert jeder Kryptotransaktion.
Für Retail-Kunden wird das Kryptokonto von Charles Schwab Premier Bank, SSB angeboten, die als Verwahrer fungiert; Paxos übernimmt Sub-Custody und Handelsausführung. Schwab weist dabei ausdrücklich auf die Risikostruktur hin: „Kryptoprodukte sind nicht FDIC-versichert, nicht SIPC-geschützt und keine Einlagen. Sie können an Wert verlieren.“ Diese Hinweise sind für den Beraterkanal besonders wichtig, weil direkte Spot-Positionen regulatorisch und operativ anders einzuordnen sind als klassische Wertpapiere oder börsengehandelte Krypto-Produkte.
Noch offen ist, ob die künftige Advisor-Lösung dieselben Assets, Gebühren, Transferregeln, Jurisdiktionen oder Verwahrstrukturen wie Schwab Crypto im Retail-Bereich nutzen wird. Bestätigt ist lediglich der Zielrahmen: Spot-Trading, Transfers und Custody-Funktionen für Berater rund um 2027. Schwab hat bislang außerdem anerkannt, dass Berater Kryptoexposure häufig über börsengehandelte Produkte abbilden; die Retail-Seite des Unternehmens verweist bereits auf ETPs mit direkter Bitcoin- und Ethereum-Exponierung sowie auf kryptobezogene Aktien, Futures, Investmentfonds, Trusts und gelistete Optionen auf Spot-Bitcoin-ETPs.
Der Wettbewerbskontext ist klar. Fidelity bietet mit Fidelity Crypto for Wealth Managers bereits eine Lösung an, über die Wealth Manager direkte Spot-Exponierung in Bitcoin und Ethereum über Integrationen zwischen Fidelity-Crypto-Konten und der Wealthscape-Plattform verwalten können. Fidelity nennt zudem Verwahr- und Ausführungsdienste für digitale Assets, Krypto-Transfers und Handelssupport für BTC, ETH, LTC, SOL und FIDD, jeweils vorbehaltlich der Eignung.
Für Schwab geht es daher um mehr als einen weiteren Krypto-Brokerage-Kanal. Das Unternehmen verfügt über erhebliche Retail-Reichweite und eine der größten RIA-Custody-Plattformen in den USA. Wenn direkte Krypto-Verwahrung und Spot-Handel in diese Infrastruktur integriert werden, könnten digitale Assets stärker in Portfolioberatung, Reporting und ganzheitliche Vermögensplanung eingebettet werden, statt separat über externe Börsenkonten oder ausschließlich über ETPs abgebildet zu werden.
Schwabs geplanter RIA-Rollout markiert einen weiteren Schritt der traditionellen Finanzindustrie in Richtung direkter Krypto-Infrastruktur. Der Zieltermin Mitte 2027 lässt noch Raum für technische, regulatorische und produktseitige Anpassungen. Klar ist aber bereits: Mit Schwab und Fidelity rückt der Wettbewerb um Krypto-Zugang im Beraterkanal näher an den Kern des US-Wealth-Managements.
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