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Charles Edwards sieht Bitcoin jetzt in einer wichtigen Value-Zone

Charles Edwards sieht Bitcoin jetzt in einer wichtigen Value-Zone

Bild von YouTube (Screenshot)

Charles Edwards, Gründer von Capriole Investments, verortet Bitcoin nach einer scharfen Korrektur näher am Boden als am Top. In einem Webinar mit dem Crypto Consulting Institute skizzierte der Quant-Investor eine Lage, die aus Bewertungssicht konstruktiv wirkt, für ihn aber noch nicht die Bedingungen eines klaren Kaufsignals erfüllt.

Edwards: Bitcoin näher am Boden als am Top

Edwards fasst seine Einschätzung knapp zusammen: Bitcoin sei „näher am Boden als am Top“ und bewege sich auf Basis historischer On-Chain-Daten „breit innerhalb einer Value-Range“. Für Investoren mit mehrjährigem Horizont sei das ein Umfeld, in dem sich erste Exponierung rechtfertigen lasse. Zugleich zieht er eine wichtige Grenze: „Es ist nicht die tiefe Value-Zone, die mich wirklich begeistern würde, wie wir sie in früheren Zyklen gesehen haben.“

Im Zentrum seiner Bewertung steht das Produktionskostenband der Miner. Historisch habe Bitcoin in jedem Zyklus über Monate in der Spanne zwischen Stromkosten und vollen Produktionskosten gehandelt. Heute liege dieser Bereich laut Edwards zwischen 50.000 und 60.000 US-Dollar. „Richtig spannend würde es für mich im unteren bis mittleren 50.000er-Bereich“, sagte er. Capriole halte deshalb derzeit nur eine „sehr kleine, aber long ausgerichtete Bitcoin-Position“. Noch attraktiver würde das Setup nach seiner Lesart bei Kursen in den hohen 40.000ern bis niedrigen 50.000ern.

Mehrere Bewertungsmodelle senden laut Edwards bereits ein ähnliches Signal. Er verweist auf Produktionskosten, den Energy-Value-Ansatz, das Yardstick-Modell, NVT und das Mayer Multiple. Besonders auffällig sei, dass NVT Bitcoin derzeit als so günstig einstufe wie seit längerer Zeit nicht mehr. Das Mayer Multiple habe zuletzt zudem eine Zone erreicht, die historisch oft mit guten Einstiegsgelegenheiten zusammenfiel. Der gemeinsame Nenner dieser Metriken lautet für Edwards: Bitcoin liegt in einer Value-Zone, aber noch nicht in einer Phase extremer Unterbewertung.

Warum die Value-Zone noch kein Kaufsignal ist

Für Edwards ist Bewertung nur ein Teil des Bildes. „Wie bei jedem anderen Asset kann man sich lange in einer Value-Zone befinden“, sagte er. Deshalb brauche es Bestätigung von der Marktstruktur. Diese könne aus einem tieferen Ausverkauf kommen, aus relativer Stärke gegenüber anderen Assets, aus einem technischen Ausbruch oder aus klar besseren Kapitalflüssen. Genau daran hapere es derzeit noch: „Wir haben einfach noch nichts wirklich Überzeugendes.“

Ein Schlüsselindikator sind für ihn die Nettokäufe institutioneller Akteure über US-Spot-ETFs und Treasury-Unternehmen. Diese Kennzahl zählt Edwards „zu den wichtigsten Bitcoin-Metriken überhaupt“. Positiv sei, dass die Summe zuletzt wieder gestiegen sei und in Phasen starker Kursanstiege meist klar positiv ausfalle, idealerweise oberhalb der täglich neu geminten 450 Bitcoin. Gleichzeitig bleibt er vorsichtig: Rund 80 Prozent dieser Käufergruppen lägen weiterhin unter ihrem Einstand. „Wenn wir ein oder zwei Wochen anhaltende Stärke bei diesen Käufen sehen und der Preis über 70.000 Dollar bleibt, dann wäre das ein ziemlich starkes Signal, dass sich hier eine solide Basis bildet.“

Technisch markiert Edwards dabei eine konkrete Schwelle. Ein Wochenschluss oberhalb von rund 71.500 Dollar, kombiniert mit robusten Zuflüssen, wäre für ihn „ziemlich bullish“ für eine Bewegung über mehrere Tage oder Wochen. Trotzdem warnt er vor überhasteten Schlussfolgerungen. Die Abwärtsbewegung habe erheblichen charttechnischen Schaden angerichtet und erinnere in Tempo, Ausmaß und Struktur an Mai 2022. Selbst eine Erholung in den Bereich von 75.000 bis 82.000 Dollar müsse deshalb noch keinen neuen Aufwärtstrend bedeuten.

Ein zusätzlicher Bremsfaktor bleibt für Edwards das Quantencomputer-Thema. Er argumentiert, das Risiko sei inzwischen weitgehend eingepreist, sehe darin kurzfristig aber eine Obergrenze für die Bewertung. Wörtlich sagte er: „Ich glaube ehrlich gesagt, dass wir möglicherweise keine neuen Allzeithochs sehen, bis das vom Bitcoin-Core-Team adressiert wird.“ Umgekehrt liege genau darin auch asymmetrisches Potenzial. „Sobald zwei, drei oder vier Core-Entwickler offen darüber sprechen, wie sie das Problem lösen wollen, könnten wir eine deutliche Neubewertung nach oben sehen.“ Bis dahin bleibt seine Kernbotschaft unverändert: Bitcoin ist aus Bewertungssicht interessant, aber noch ohne die Bestätigung, die aus einer günstigen Zone einen belastbaren Trend macht.

Für professionelle Marktteilnehmer ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Bitcoin notiert laut Edwards in einem historisch attraktiven Bewertungsbereich, doch weder Flows noch Marktstruktur noch die Debatte um Quantensicherheit liefern bislang ein vollständiges Entwarnungssignal. Entscheidend wird nun, ob sich die jüngste Stabilisierung über 70.000 Dollar mit nachhaltigen institutionellen Zuflüssen und einer klareren fundamentalen Einordnung fortsetzt.

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