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Bitwise findet den wichtigsten Preistreiber von Ethereum

Bitwise findet den wichtigsten Preistreiber von Ethereum

Bild erstellt mit ChatGPT

Bitwise hat in einer neuen Analyse untersucht, welche Faktoren die Renditen von Ethereum seit 2018 tatsächlich bestimmen. Das Ergebnis ist für Marktteilnehmer relevant, weil es den anhaltenden Abstand zwischen starken Fundamentaldaten des Netzwerks und einer im Vergleich dazu schwachen Kursentwicklung von ETH in ein belastbares, quantitatives Raster einordnet.

Bitcoin bleibt der dominante Kurstreiber

Bitwise stützt seine Auswertung auf ein Faktorenmodell mit 406 wöchentlichen Beobachtungen seit Mai 2018. Der zentrale Befund fällt klar aus: Bitcoin ist der wichtigste Treiber der ETH-Renditen. Wöchentlich bewege sich Ethereum „nahezu 1:1 mit BTC“, mit einem Koeffizienten von rund 0,99. Allein Bitcoin erkläre etwa 65 Prozent der Varianz der ETH-Renditen. Für professionelle Investoren ist das eine entscheidende Aussage, weil sie nahelegt, dass Ethereum am Markt weiterhin vor allem als Ausdruck des breiten Krypto-Betas gehandelt wird.

Bitwise formuliert die Schlussfolgerung entsprechend deutlich: „Adoptionsfundamentaldaten wie aktive Adressen haben klar weniger Einfluss auf den Preis von Ethereum, als viele annehmen. Führt man diesen Gedanken fort, erscheint die Umsatzgenerierung noch weniger relevant, da sie im GETS-Modell als ‚Rauschen statt Signal‘ entfernt wurde.“ Zusammen deute das darauf hin, dass Ethereum seit dem Modellstart 2018 „eher wie ein netzwerkgetriebener Rohstoff als wie ein Unternehmen mit belastbaren Cashflows“ bewertet worden sei. Das passt auch zu den von Bitwise genannten Bewertungsindikatoren: Der langfristige Zyklusindikator liege derzeit im 6. Perzentil, während das Kurs-Umsatz-Verhältnis im 99. Perzentil stehe.

Die Dominanz von Bitcoin war laut Bitwise besonders in Extremphasen sichtbar. In der zweiten Jahreshälfte 2022, rund um die Belastungen nach dem FTX-Kollaps, hätten „alle Faktoren außer BTC einen negativen Koeffizienten getragen“, während die Renditen von ETH „zu bis zu 90 Prozent durch BTC erklärt“ worden seien. Zwischen Juni und August 2025 stieg der BTC-Koeffizient sogar auf 1,5 bis 1,6, als Ethereum aus einem tiefen Tal herauslief und Bitcoin sich seinen Rekordständen näherte. In solchen Phasen habe sich ETH wie ein gehebelter Bitcoin-Trade verhalten. Eine Ausnahme war laut Bericht der Mai 2021, als Bitcoin bereits seinen Hochpunkt hinter sich hatte, Ethereum aber mit stark steigenden aktiven Adressen im Zuge des NFT-Booms weiter zulegte.

Finanzbedingungen gewinnen bei ETH an Gewicht

Als zweitwichtigster Faktor identifiziert Bitwise das makroökonomische Umfeld, gemessen am Bloomberg US Financial Conditions Index. Der Koeffizient liegt bei etwa 0,05, die durchschnittliche Erklärungskraft bei 11,3 Prozent, in Spitzenphasen aber bei rund 40 Prozent. Der Bericht spricht deshalb von einem „zeitvariablen und dynamischen“ Einfluss. Gerade im vergangenen Jahr seien Finanzbedingungen als bedeutender sekundärer Faktor stärker hervorgetreten. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil der eigenständige Aktienfaktor im Modell am Ende kaum zusätzliche Aussagekraft hatte.

Bitwise begründet das damit, dass Bitcoin bereits einen Großteil des breiteren Equity-Effekts absorbiert. Der Aktienfaktor habe einen kleinen negativen Koeffizienten und auf dem 5-Prozent-Niveau keinen statistisch signifikanten p-Wert gezeigt. Wörtlich heißt es, dies sei „wahrscheinlich durch den BTC-Faktor subsumiert“ worden, was die zusätzliche Erklärungskraft von Aktienexposure für ETH unter dieser Modellierung begrenze. Für die Marktstruktur bedeutet das: Wer ETH kurzfristig einordnen will, muss weniger auf isolierte Equity-Signale schauen als auf Bitcoin und die Lockerung oder Straffung finanzieller Bedingungen.

Daneben bleiben Netzwerknutzung und Kapitalflüsse relevant, aber in anderer Funktion. Aktive Adressen kommen laut Bitwise auf einen Koeffizienten von rund 0,03 und erklären durchschnittlich 6 Prozent der Renditevarianz, in Spitzenphasen bis zu 30 Prozent. ETP-Zuflüsse als Anteil am verwalteten Vermögen seien mit etwa 0,01 „hoch signifikant“ und erklärten im Schnitt 10 Prozent, in Spitzenzeiten ebenfalls bis zu 40 Prozent. Besonders interessant ist für Bitwise das aktuelle Regime: „Zuflüsse sind in 91 Prozent der Wochen signifikant, was die statistisch verlässlichste Beziehung zwischen Flows und Preis in der Geschichte von ETH ist. Doch die Größenordnung des Effekts pro Einheit war nie geringer. Flows sind zu einem persistenten, verlässlichen Signal geworden, aber nicht zu einem mächtigen.“ Für Prognosen ist das jedoch nur begrenzt hilfreich, denn im Out-of-Sample-Test schlug das umfassendere Modell nicht einmal eine einfachere Spezifikation aus AR(1) plus BTC.

Unter dem Strich beschreibt Bitwise Ethereum als Asset, dessen Kurs bislang vor allem von Bitcoin abhängt, während Makrobedingungen zuletzt an Bedeutung gewonnen haben. Ob sich dieses Muster ändert, hängt laut Bericht davon ab, ob Investoren ETH und dessen Prognosen künftig stärker als eigenständige Anlage mit durchsetzbaren Tokenholder-Rechten und bewertungsrelevanten Ertragsgrößen behandeln. Bis dahin spricht das beobachtete Marktverhalten eher dafür, dass Ethereum im Portfolio weiter als hochbeta-lastiger BTC-Proxy eingeordnet wird.

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