Charles Hoskinson, Mitgründer von Cardano und CEO von Input Output, hat in einem Livestream vom 21. Mai eindringlich vor Kürzungen am Forschungsbudget des Netzwerks gewarnt. In der laufenden Treasury-Phase stehe Cardano vor schwierigen Entscheidungen: Nach rund 98 Millionen US-Dollar an Finanzierung im Vorjahr gehe es diesmal um etwa 52 Millionen US-Dollar. Hoskinson stellte die Debatte als Grundsatzfrage dar — nicht nur über Ausgaben, sondern über Cardanos Selbstverständnis als wissenschaftlich geprägtes Blockchain-Projekt.
Hoskinson warnt vor Kürzungen an Cardanos Forschung
Hoskinson sagte, die Einschnitte im aktuellen Budgetprozess hätten bereits spürbare Folgen. „Viele Menschen mussten tiefgreifende Opfer bringen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, als wir etwa 98 Millionen an Finanzierung erhalten haben, bitten wir nun um etwa 52 Millionen“, sagte er. „Von diesem Geld mussten wir sehr schwierige Opfer und Kürzungen vornehmen. Gute Leute mussten gehen. Ingenieure wurden entlassen, Community-Teams werden aufgelöst, vertraute und neue Gesichter gleichermaßen.“ Vor diesem Hintergrund sei aus seiner Sicht ausgerechnet die Forschung der Bereich, der nicht weiter ausgedünnt werden dürfe.
Der Cardano-Mitgründer begründete das mit der Rolle, die Forschung seit dem Start des Projekts für das Netzwerk gespielt habe. „Das Rückgrat dessen, was Cardano zu Cardano macht, war immer und wird immer die Tatsache sein, dass wir der Science Coin sind. Wir sind der Research Coin“, sagte Hoskinson. Über zehn Jahre seien „Hunderte Millionen Dollar“ in Forschung geflossen, zudem seien „unzählige Hunderte Forscher“ an einer der größten Forschungsgruppen im Kryptosektor beteiligt gewesen. Er verwies dabei auf Arbeiten zu Proof-of-Stake, Extended UTXO, Sidechains und weiteren Protokollfragen, die aus seiner Sicht Cardanos technische Positionierung geprägt haben.
Besonders deutlich wurde Hoskinson bei der Frage, welche Personen oder Institute im Fall einer Aufspaltung des Forschungsbudgets betroffen wären. Er nannte unter anderem Manuel Chakravarty, Phil Wadler, Aggelos Kiayias, Peter Gaži, Christian Badertscher und Matthias Fitzi sowie Zero-Knowledge-Forscher wie Markulf Kohlweiss. „Dann frage ich die DReps: Welche Wissenschaftler soll ich entlassen?“, sagte Hoskinson. „Oder wenn nicht Menschen, dann vielleicht Institutionen. Welche Institutionen möchten Sie schließen? Und weil Sie so qualifiziert sind: Welche Forschungsagenden halten Sie für unnötig?“ Die Zuspitzung richtete sich gegen Stimmen, die nach seiner Darstellung dafür plädieren, das Forschungspaket aufzuteilen und einzelne Bestandteile separat zu finanzieren.
DReps sollen Forschungsbudget doch noch stützen
Im Zentrum seiner Botschaft standen die DReps, also die delegierten Vertreter im Cardano-Governance-System. Hoskinson sagte, er habe einen „beunruhigenden Trend“ bemerkt, wonach einige DReps gegen die Finanzierung der Forschungsgruppe stimmten. „Ich dachte sicher, dass von allen Vorschlägen dieser einer selbsterklärend wäre“, sagte er. „An die DReps, die gegen diesen Vorschlag stimmen und sagen, man solle ihn aufbrechen, Gewinner und Verlierer auswählen und einige der klügsten Köpfe der Welt liquidieren, die wir über ein Jahrzehnt zusammengebracht haben: Wie machen wir das, ohne die Seele dessen zu zerstören, was Cardano zu Cardano macht?“ Delegierende sollten nach seiner Auffassung prüfen, ob ihre Vertreter noch ihre Position widerspiegeln.
Hoskinson warnte zudem vor einem Abwanderungsrisiko, falls Cardano hochqualifizierten Forschern keine langfristige Perspektive mehr biete. „Wenn Sie diese Menschen wie austauschbare Güter behandeln, werden sie gehen. Sie werden zu anderen Ökosystemen wechseln, die viel mehr Geld haben und bereit sind, deutlich mehr zu zahlen, mit besserer Stabilität und Sicherheit“, sagte er. Gerade akademisch geprägte Forscher suchten Stabilität, langfristige Horizonte und Abstand von kurzfristiger Governance-Politik. Würde Cardano diesen Rahmen aufgeben, könnten andere Ökosysteme — Hoskinson nannte unter anderem Solana, Ethereum und XRP — von der aufgebauten Expertise profitieren.
Seine Forderung an die noch unentschlossenen oder ablehnenden DReps fiel entsprechend direkt aus. „Das ist ein direkter Aufruf an alle DReps, die noch nicht abgestimmt haben: Bitte stimmt für den Forschungsvorschlag. Und diejenigen, die mit Nein gestimmt haben: Bitte ändert eure Stimme“, sagte Hoskinson. „Wenn wir unsere Besten und Klügsten verlieren, bekommen wir sie nicht zurück. Wir können nicht einfach sagen, dass es uns leid tut. Sie werden Jobs bei Wettbewerbern haben, an neuen Problemen arbeiten, und dieser Teil ihrer Karriere wird abgeschlossen sein.“ Für Hoskinson wäre ein Scheitern des Forschungsbudgets das stärkste Marktsignal unter den aktuellen Vorschlägen: Es stelle die Frage, ob Cardano weiter innoviere oder sich aus seinem Anspruch als wissenschaftlich fundiertes Netzwerk zurückziehe.
Die Debatte um Cardanos Treasury-Finanzierung ist damit mehr als ein Budgetstreit. Hoskinson stellt sie als Entscheidung über die strategische Identität des Netzwerks dar: Forschung als nicht ersetzbares Kernasset oder als Kostenblock, der in der Governance neu verhandelt werden kann. Für ADA-Investoren, Builder und Delegierende dürfte die Abstimmung deshalb nicht nur operative Bedeutung haben, sondern auch als Signal dafür gelesen werden, wie Cardano seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit im Kryptomarkt sichern will.
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